Kreditbedarf – was nun?

Hier sind einige Hinweise, was Sie beachten müssen, wenn Sie Bedarf an Fremdfinanzierung (Kredit, Darlehen) haben.

5 Aspekte sind zu beachten

Idealerweise erfüllt der Unternehmer folgende Voraussetzungen, damit Kapitalgeber Interesse entwickeln, die Finanzierung zu ermöglichen:

  1. Ein 1 A Rating nach Basel II (bzw. nach Basel III)
  2. Je nach Bonität (Basel II Ranking, Schufa, etc.) 20-40% Eigenkapital
  3. Ein vorzugsweise risikoloses Geschäft (aus Sicht der Bank)
  4. Das Vertrauen der Bank in mich als Person, als Unternehmer (Integrität) und damit in die ordnungsgemäße Durchführung meiner Geschäftsabläufe.
  5. Eine passende Versicherung.

Basel II

Basel II bezeichnet die Gesamtheit der Eigenkapitalvorschriften, die vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht in den letzten Jahren vorgeschlagen wurden.

Die Regeln müssen gemäß den EU-Richtlinien 2006/48/EG und 2006/49/EG seit dem 1. Januar 2007 in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union für alle Kreditinstitute und Finanzdienstleistungsinstitute (= Institute) angewendet werden. Während in der Schweiz die Umsetzung durch die FINMA geleitet wird, erfolgt diese in Deutschland durch das Kreditwesengesetz, die Solvabilitätsverordnung und die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk)

Ab 2012/13 bestehen weitere Regelungen im Zusammenhang mit BASEL III:

Kredite KMU (für kleine und mittelständische Unternehmen)

Während der sog. Finanzkrise, wurde häufig die Kreditklemme für Unternehmen beschworen. Jetzt stehen u.a. durch die Änderungen nach Basel III die Bewältigung von Folgen der anhaltenden Finanzmarktkrisen an: Die Bedingungen, unter denen Banken ihre Geschäfte tätigen, werden erneut verschärft. Ob die Verschärfungen der öffentlichen Meinung nach genügen oder nicht – sie werden Folgen für die Kreditaufnahme von Unternehmen haben:

Das Geschäftsmodell der Banken

Banken sind Dienstleister und Lieferanten.

Wie in jedem Unternehmen, kommt es in einer Bank darauf an, mit den Ressourcen sparsam hauszuhalten und diese gewinnbringend einzusetzen.

Die Ressource der Banken ist Kapital, der Engpaß ist Eigenkapital.

Die Anforderungen an den Eigenkapitaleinsatz der Banken haben sich drastisch verändert. Welche Geschäfte bringen zukünftig die beste Rendite (gemessen am Risiko und dem dafür erforderlichen Eigenkapitaleinsatz)? Daran wird jede Bank, wie andere Unterneh­men auch, ihr Geschäftsmodell ausrichten.

Zur Einschätzung des Risikos eines Geschäfts benötigen die Banken Informationen und Vertrauen, dass die zur Verfügung gestellten Kredite verantwortungsvoll und gewinnbringend eingesetzt werden, damit der Rückfluss mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit eingehalten wird.

Es liegt also bis zu einem gewissen Grad in der Hand der Unternehmen, wie hoch die Chance auf einen Kredit ist.

Die Bank wird sich wie jedes Unternehmen an den Ertragsaussichten und dem Risiko der angetragenen Geschäfte orientieren.

Wie bei jeder Lieferantenoptimierung sind Unternehmer und Unternehmen jedoch auch gefordert, die richtigen (Kapital-)Lieferanten für ihre Zwecke zu identifizieren.
Bank ist eben nicht gleich Bank!

Je nach Geschäft, muß man sich als Unternehmer doch die passende Bank bzw. den passenden Kredit­geber suchen. In Deutschland u.a. auch die Hermes Exportversicherung oder die Münchener Rück als Rückversicherer für spezifische Exportgeschäfte. Manchmal ist auch ein privat-public-part­ner­schip angebracht, so z.Bsp. mit der Entwicklungshilfe.

Eigenkapital

Das Eigenkapital (engl. Equity) ist der Teil eines Vermögens, der nach Abzug sämtlicher Schulden übrig bleibt.

Nicht zu verwechseln mit Liquidität.

Besicherung eines Darlehens

Vermögensgegestände, die dem Darlehensnehmer selbst zur Verfügung stehen, können als Pfand für einen neuen Kredit dienen:

  • Bargeld,
  • Sparguthaben,
  • Festgeld,
  • Wertpapiere,
  • Bausparguthaben,
  • vorhandener Grundbesitz (minus Finanzierungsanteil)
  • Guthaben bei der kreditgebenden Bank.

Forderungen gehören nicht dazu! Die werden als wenig oder gar nicht werthaltig angesehen.

Im weiteren Sinne werden bei der Immobilienfinanzierung zu den Eigenmitteln auch Verwandtendarlehen, Arbeitgeberdarlehen und öffentliche Zuschüsse gerechnet. Etwa bei Bauträgerprojekten ist es üblich, dass spezialisierte Investmentgesellschaften den eigens zur Realisierung eines Vorhabens gegründeten Personengesellschaften als Kommanditist beitreten und in Form von Bürgschaften Eigenkapital bereitstellen, so dass eine weitere Finanzierung mit Fremdkapital erst ermöglicht wird.

Bekomme ich Kredit?

Bekommt ein Unternehmen Kredit? Sicherlich. Wenn

  • die Prüfung der Bonität gut ist
  • das Geschäft mit normalen Risiken behaftet scheint
  • dieses Geschäft zum Fokus der Bank gehört
  • genügend Eigenkapital vorhanden ist
  • ein Bürge / jemand (ein dritter)  persönlich mit seinem Vermögen haftet

dann kann man davon ausgehen, dass die passende Bank das finanzieren könnte. Wenn Sie noch Geld „hat“.

Die Banken sind gehalten, die Eingenkapitalquote zu erhöhen. Wie macht man das? Mehr Geschäft = mehr Umsatz, längere Bilanz. Weniger Geschäft = Weniger Umsatz, kürzere Bilanz. Weniger Geschäft in der Bilanz = Höhere Eigenkapitalquote der Bank nach Basel III. Damit wird das Ranking der Bank besser und sie kann wieder billiger Geld auf dem internationalen Finazmarkt leihen.

Weiche Faktoren

Weiche Fakten sind u.a. der Geschäftsauftritt des Kreditnehmers. Heute wird dabei immer wichtiger, wie das Unternehmen online dargestellt wird und was sich über die Beteiligten Personen online ermitteln läßt. Nichts ist dabei genauso von Nachteil, wie negative Auskünfte. Es empfiehlt sich für seine eigene Person und das Unternehmen jeweils einen guten virtuellen Hintergrund zu schaffen.

Autor: Eckbert Sachse

Finanzierung und Liquidität für den Mittelstand is Stephen Fry proof thanks to caching by WP Super Cache